In dieser Lektion lernst du unter anderem:

 

  • Wie du den Hintergrund deines Motivs unscharf darstellen kannst.
  • Wie die Blende mit der Belichtungszeit zusammen hängt.
  • Wie du die Blende einstellst und für deine Fotos nutzt.

Hey!

Ich bin Heiko, das Gesicht hinter

"probst-fotografie.de"

Auf meiner Seite berichte ich nicht nur über abenteuerliche Reisen zu verborgenen Orten.

 

Durch die Gründung der Coburger Fotoschule möchte ich dir ebenfalls mit viel Liebe zum Detail, inspirierend und authentisch die Grundlagen der Fotografie näherbringen.

 

In der Rubrik "Tipps & Tricks" findest du viel nützliches Wissen.

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Zum grundlegenden Verständnis noch eine kleine Vorbemerkung:

 

Es gibt zwei grundlegende Einstellmöglichkeiten, wie du die Belichtung deines Fotos beeinflussen kannst. Eine davon ist die Blende, die in diesem Bericht beschrieben wird.

Die zweite Einstellung ist die Verschlusszeit, also die Dauer, wie lange dein Bild belichtet wird. Je länger die Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Die Blende: Eine kurze Definition

Die Blende ist die hintere Öffnung deines Objektivs. Wie groß diese Öffnung ist, kannst du selbst regeln und damit bestimmen, wie viel Licht auf den Sensor der Kamera trifft.

Die Größe der Öffnung wird mit der Blendenzahl angegeben. Wenn ein Fotograf von der Blendenzahl spricht, die er für ein bestimmtes Bild benutzt hat, benutzt er Zahlen wie f/1.8, f/2.8, f/5,6.

Das Interessante ist jetzt:

Je höher die Zahl hinter dem f/ ist, umso kleiner ist die Öffnung der Blende.

Und umgekehrt: Je kleiner die Blendenzahl ist, umso größer die Öffnung der Blende.

Schau dir mal das folgende Bild an, dort sieht man das gut.

Lenses with different apetures

"Lenses with different apetures“ von KoeppiKEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Das bedeutet also, wenn du bei dir f/4 einstellst, trifft relativ viel Licht auf den Sensor deiner Kamera und wenn du f/13 einstellst, trifft nur sehr wenig Licht auf den Sensor.

 

Wofür das gut ist, erkläre ich dir später noch und probiere das dann auch praktisch aus. Dann siehst du auch, wo die Unterschiede bei Fotos mit unterschiedlicher Blendenzahl ist.

Aber erst einmal müssen wir uns kurz durch die Theorie durcharbeiten.

 

Brenn dir diesen Merksatz in dein Gehirn ein:

 

Je kleiner die Zahl hinter f, umso mehr Licht trifft auf den Sensor in deiner Kamera:

 

Kleine Zahl, große Öffnung, viel Licht –

große Zahl, kleine Öffnung, wenig Licht!

 

Wenn das für dich noch unlogisch klingt, stell dir die Zahlen hinter dem f einfach als Bruch vor. Wenn ich dich frage, ob 1/16 (ein Sechszehntel) größer ist als 1/8, was wäre deine Antwort? Nein! Genau. Nur weil die Zahl 16 größer ist, ist ja nicht 1/16 mehr als 1/8.

Also:

f/16 ist kleiner als f/8.

f/16 lässt also weniger Licht rein als f/8.

 

Sag es dir noch mal laut auf: kleine Zahl, viel Licht – große Zahl, wenig Licht!

 

Ok, kurz tief Luft holen. Weiter geht’s.

Das ist eine typische Blendenreihe:

Typische Blendenreihe – von links nach rechts wird die Öffnung der Blende kleiner
Typische Blendenreihe – von links nach rechts wird die Öffnung der Blende kleiner

Welche Zahlen du einstellen kannst, kommt auf deine Kamera und vor allem auf dein Objektiv an.

Es ist also normal, wenn die Einstellung an deiner Kamera mit einer anderen Blendenzahl beginnt oder du Blendenzahlen zwischen den hier genannten hast.

 

Mein Standardobjektiv hat z. B. keine kleinen Blendenzahlen wie f/1.4 oder f/2.0.

Es fängt erst bei einer Blende von f/2.8 an.

So stellst du die Blende an deiner Kamera ein

Jede Kamera hat verschiedene Modi. In der Regel immer dabei sind die Modi M, A, S und P. Bei einigen Kameras heißen die Modi M, Av, Tv und P. Um die Blende in der Praxis auszuprobieren, stellst du die Kamera auf den Modus A bzw. Av. Die Abkürzung A steht für Aperture, das englische Wort für Blende.

 

In Modus A kannst du deine Blendenzahl manuell bestimmen.

Du kannst also selber entscheiden, wie viel Licht du auf den Sensor lässt.

 

Im Modus A sorgt deine Kamera automatisch dafür, dass die zu deiner gewählten Blendenzahl passende Verschlusszeit ausgewählt wird, sodass dein Bild immer richtig belichtet ist.

 

Der Modus A wird auch oft Blendenpriorität oder Verschlusszeitautomatik genannt. Such dir einfach aus, welche Bezeichnung du lieber verwenden möchtest, oder nenn es einfach Modus A.

Fotoschule Moduswahl Blendenpriorität A Modus
Moduswahl steht auf "A" - Blendenpriorität

Falls du ganz am Anfang stehst, fragst du dich jetzt vielleicht, was nun die Verschlusszeit hier zu suchen hat. Kümmere dich bitte da erst mal nicht drum.

 

Das macht ja die Kamera im Modus A automatisch für dich. Wir konzentrieren uns jetzt einzig und allein auf die Blendenzahl und den Modus A.

 

Wenn du deine Kamera nun auf den Modus A gestellt hast, kannst du im nächsten Schritt die Blendenzahl einstellen, mit der du dein Foto machst.

 

An vielen Kameras steuerst du die Blendenzahl an einem Rädchen vorne rechts an der Kamera. Wenn du nicht direkt findest, wo du die Blende an deiner Kamera steuerst, schau einfach in deinem Handbuch nach.

 

Um zu sehen, welche Blendenzahl du eingestellt hast, musst du je nach Kameratyp durch den Sucher schauen oder auf dein Display. Dort findest du dann die Blendenzahl mit dem f am Anfang.

So setzt du die Blende für deine Fotos ein

Die Blende einsetzen: #1 Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen

Ich habe ja bereits erwähnt, dass die Blendenöffnung bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor deiner Kamera fällt.

Zur Erinnerung: große Öffnung, viel Licht – kleine Öffnung, wenig Licht.

 

Bei schlechten Lichtverhältnissen hast du also die Möglichkeit, deine Blende weit zu öffnen und auf diese Weise trotzdem genügend Licht auf den Sensor zu lassen, um ein korrekt belichtetes Foto zu bekommen.

 

Das folgende Bild ist zum Beispiel bei sehr schlechten Lichtverhältnissen entstanden.

 

Kirchen im allgemeinen sind relativ düster. Für diese Aufnahme wählte ich mein Nikkor 14-24mm f2.8 Objektiv. Ich nutze meine Objektive fast nie komplett offenblendig. Selbst ein leichtes Abblenden, in diesesm Fall auf f3.2 bringt ein spürbares "mehr" an Schärfe und optischer Qualität.

 

Welche Verschlusszeit du hälst, hängt von dir, deiner Kamera, deinem Objektiv und vorallem der Brennweite ab. In der Regel halte ich im Weitwinkel Aufnahmen bis 1/60 Sekunden problemlos. Um eine gut belichtete Aufnahme zu erstellen passte ich die Lichtempfindlichkeit auf eine ISO400 an.

Manchester Church
14mm - ISO 400 - f/3.2 - 1/60 Sek

Die Blende einsetzen: #2 Tiefenschärfe oder verschwommener Hintergrund

Du benutzt die Blende aber nicht einfach nur dazu, um zu bestimmen, wie viel Licht du in deine Kamera lässt. Mit der Veränderung der Blende hast du außerdem ein sehr wichtiges Stilmittel der Fotografie in der Hand: Die Tiefenschärfe.

 

Mit der Wahl deiner Blendenzahl bestimmst du, ob der Hintergrund deines Hauptmotivs gestochen scharf oder verschwommen ist.

Bestimmt hast du schon oft Fotos gesehen, bei denen eine Person gestochen scharf zu sehen ist, der Hintergrund jedoch undeutlich und verschwommen. Genau diesen Effekt kannst du durch den Einsatz der großen Blende erreichen.

[Bild 1] Dieser unschärfe Effekt ist hier noch viel deutlicher. Das Bild ist mit einer Blende von f2 aufgenommen. Die Schärfe liegt auf dem Schriftzug "Lanthar", da die Filmrolle in der gleichen Schärfebene liegt ist diese ebenfalls scharf. Die Lichterkette im Hintergrund ist nur noch schemenhaft zu erkennen. Sie löst sich wunderbar auf. Diesen kreisrunden Effekt nennen wir übrigens "Bokeh".

[Bild 1] 50mm - f2 - ISO 100 - 1/160 Sek.
[Bild 1] 50mm - f2 - ISO 100 - 1/160 Sek.
[Bild 2] 35mm - f11 - ISO 100 - 1/160 Sek.
[Bild 2] 35mm - f11 - ISO 100 - 1/160 Sek.

[Bild 2] Natürlich kannst du mit der Einstellung deiner Blende auch den gegenteiligen Effekt erzielen. Indem du die Blende sehr weit schließt, also eine große Blendenzahl wählst, erzielst du eine sehr hohe Tiefenschärfe. Anstatt eines verschwommenen Hintergrunds sind dann alle Elemente deines Bildes scharf.

Das folgende Bild ist mit einer Blende von f/11 aufgenommen und hat eine hohe Tiefenschärfe. Sowohl ich im der Efeu im Vordergrund ist scharf, aber auch die Burg.

Durch meine Beispielfotos hast du schon einen ersten Eindruck bekommen, wie die Blende die Tiefenschärfe beeinflusst.

Jetzt schauen wir uns das noch mal an einem praktischen Beispiel an. Ich habe dir hierfür mal ein bisschen was gezeichnet.

Das erste Bild zeigt die Ausgangssituation:

Du stehst am Ende eines Fußballfeldes und möchtest gerne einen Fußballspieler fotografieren.

 

Du stehst also nun am Spielfeldrand mit deiner Kamera im Anschlag und fokussierst auf den Spieler.

Diese Situation zeigt das erste Bild. Der türkisfarbene Strich zeigt deine Fokusebene.

[Bild 1] Deine Kamera ist nun auf Modus A gestellt und du stellst jetzt die Blende auf f/2.8 (also weit offen und viel Licht). Diese Situation sehen wir im nächsten Bild. Der Spieler und alles, was sich im graumarkierten Bereich befindet, ist scharf. Der Rest des Fußballfeldes ist verschwommen.

Wir haben also genau den Effekt erreicht, den wir bei unserem ersten Beispielbild weiter oben gesehen haben. Das Gesicht des Spielers ist im Fokus, der Hintergrund ist unscharf. Der Torwart im gegnerischen Tor wäre als nur schemenhaft zu erkennen.

Bild 1
Bild 1

[Bild 2] Nun möchten wir aber versuchen, den Torwart im rechten Tor, auch scharf auf unserem Foto darzustellen.

Du erhöhst also die Blendenzahl auf f/8 (Die Blende geht zu, weniger Licht fällt ein). Nun ist zwar der Bereich hinter dem Spieler ein bisschen deutlicher geworden, den Torwart sehen wir aber immer noch nicht.

Bild 2
Bild 2

[Bild 3] Das reicht uns also nicht. Nun übertreiben wir es mal und erhöhen die Blendenzahl auf f/22 (also die Blende ist fast geschlossen und es kommt nur noch sehr wenig Licht durch).

Wie wir nun aber auf dem Bild unten sehen, haben wir jetzt nicht nur Spieler und Torwart scharf gestellt, sondern das komplette Spielfeld.

Bild 3
Bild 3

Wie du siehst, hat die Blendenzahl nicht nur eine Auswirkung auf den Hintergrund. Auch der Bereich vor deinem fokussierten Motiv wird schärfer bzw. unschärfer, wenn du die Blende veränderst.

 

Achtung:

Das Beispiel mit der Blende von f/22 habe ich nur aus anschaulichen Gründen gewählt. Wir fotografieren in der Regel maximal mit einer Blende von f/13. Bei höheren Blendenzahlen werden viele Objektive aus technischen Gründen wieder unschärfer, weshalb du diesen Wert nicht zu hoch setzen solltest.

 

Nach diesem etwas abstrakten Beispiel, möchte ich dir das auch nochmal an richtigen Fotos zeigen. Die Bilder selbst sind keine Meisterwerke, es geht wirklich nur darum, den Zusammenhang zwischen Blende, Tiefenschärfe und Fokusebene zu zeigen:

[Bild 1] 35mm - ISO500 - f1.4 - 1/6400 Sek.
[Bild 1] 35mm - ISO500 - f1.4 - 1/6400 Sek.

[Bild 1] Diese Aufnahme ist mit einer weit geöffneten Blende von f1.4 erstellt worden. Die Tiefenschärfe ist sehr gering. Ebenfalls ist die Schärfe der Blüte auf welcher der Fokus sitzt relativ soft. Ihr erinnert euch: Wir sollten die komplette Lichtstärke nur in Ausnahmesituationen nutzen. Ein leichtes Abblenden (z.B. auf f2) bringt eine sehbar bessere Abbildungsleistung.

[Bild 2] 35mm - ISO500 - f8 - 1/250 Sek.
[Bild 2] 35mm - ISO500 - f8 - 1/250 Sek.

[Bild 2] Diese Aufnahme wurde mit einer mittleren Blendenöffnung von f8 aufgenommen. Du kannst gut erkennen dass der Bereich in dem das Bild scharf ist, größer geworden ist - nach vorne und nach hinten. Der Hintergrund ist noch immer relativ unscharf.

[Bild 3] 35mm - ISO500 - f16 - 1/60 Sek.
[Bild 3] 35mm - ISO500 - f16 - 1/60 Sek.

[Bild 3] Aufnahme mit einer geschlossenen Blende, fotografiert mit f16. Die Schärfetiefe steigt. Im Vordergrund ist nur noch eine leichte Unschärfe sichtbar, auch der Hintergrund wird nun wesentlich erkannbarer als auf einer f8.

Diesen Effekt kannst du übrigens auch mit deinem Auge nachstellen. Halte mal deine Hand etwa 20 cm vor dein Gesicht und fokussiere deinen Blick auf deine Finger.

Du merkst, dass deine Finger scharf sind und der Hintergrund verschwommen, richtig?

Dann fokussiere mit deinen Augen mal auf einen Gegenstand im Hintergrund.

Jetzt merkst du, dass deine Hand verschwommen ist und der Hintergrund scharf.

Es kommt also auch immer darauf an, worauf du fokussierst.

Ganz genau so ist es bei deiner Kamera auch.

Welche Blende ist am besten?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, in welcher Situation du mit welcher Blende fotografieren solltest. Das ist ehrlich gesagt Geschmacksache. Trotzdem möchte ich dir kurz einen kleinen Leitfaden mit an die Hand geben, welche Blendenwerte für welche Situation sinnvoll sein können.

 

Eine geringe Tiefenschärfe ist immer dann zu empfehlen, wenn du durch einen unscharfen Hintergrund den Fokus auf dein Hauptmotiv legen möchtest. Das ist zum Beispiel bei Portraitaufnahmen der Fall.

Eine geringe Tiefenschärfe erreichst du mit kleinen Blendenzahlen zwischen f/1.8 – f/4. Es gibt sogar Objektive, die Blendenzahlen von f/1.4 und niedriger erreichen. Die sind aber in der Regel sehr teuer.

 

Wenn du jetzt aber nicht nur eine Person, sondern eine Gruppe von Menschen fotografieren möchtest, musst du mit einer größeren Blendenzahl arbeiten, die Blende also weiter schließen. Es wäre es ja blöd, wenn nur die Personen in der ersten Reihe scharf sind und die Personen dahinter verschwommen wären.

Indem du die Blende schließt, bekommst du wieder mehr Tiefenschärfe ins Bild und stellst sicher, dass alle Personen auf dem Bild scharf sind.

 

Viel Tiefenschärfe möchte man zum Beispiel auch bei Landschaftsfotos erreichen, damit die Landschaft auf dem Foto so wahrheitsgetreu wie möglich aussieht. Wenn du mit deinen Augen eine Landschaft betrachtest, ist ja auch der Vordergrund, der Mittelgrund und der Hintergrund scharf (außer du hast deine Sehhilfe Zuhause gelassen).

 

In der Landschaftsfotografie empfiehlt es sich also mit geschlossener Blende zu fotografieren. Damit meinen wir Blendenzahlen von z.B. f/11 oder f/13.

 

Aber wie wir oben schon gesagt habt, ist das alles auch Geschmacksache. Stell dir z. B. vor, du läufst durch die Sahara und siehst plötzlich eine wunderschöne rote Rose. Ziemlich unwahrscheinlich, aber wer weiß.

 

Jetzt ist der Saharasand irgendwie nicht so cool und du willst den Fokus deshalb nur auf die Rose setzen. Also machst du die Blende komplett auf (z. B. f/2.8) und fokussierst nur auf die Blume. Das hat den Vorteil, dass die wunderschöne Rose scharf ist, der nicht so schöne Sand ist aber verschwommen.

 

Jetzt stell dir aber mal vor, der Sand ist so trocken, dass sich tolle Risse im Sand gebildet haben und mittendrin blüht diese wunderschöne rote Rose. In diesem Fall wäre ja der Sand ein tolles Feature und könnte deinem Bild den letzten Kick geben. Du willst also, das sowohl die Rose als auch dein Hintergrund scharf ist und fotografierst das Bild demnach mit einer möglichst geschlossen Blende (z. B. f/11).

 

Aber Vorsicht:

Du könntest jetzt versucht sein, deine Blende extrem weit zu schließen, um in deinem Bild eine möglichst große Schärfe zu erhalten. Das funktioniert leider in der Regel nicht. Zwar nimmt die Tiefenschärfe tatsächlich immer weiter zu, je weiter du die Blende schließt. Gleichzeitig nimmt aber ab einer gewissen Blendenzahl die allgemeine Schärfe der Bilder wieder ab.

Bei welcher Blendenzahl das der Fall ist, lässt sich nicht pauschal sagen und ist von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich. Jedes Objektiv hat einen bestimmten Blendenwert, bei dem es die größte Gesamtschärfe erzielt. Der liegt meistens so zwischen Blende f/7.1 und f/11.

 

Mein Tipp:

Vermeide zu große Blendenzahlen, um unscharfe Fotos zu vermeiden. Spätestens ab Blende f/16 wird es bei vielen Objektiven kritisch. Eine Blende von f/22 vermindert oft die Schärfe des gesamten Fotos deutlich.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Wenn du mal etwas Zeit hast, nimm einfach mal deine Kamera und stell sie auf ein Stativ. Jetzt machst du einfach von ein und dem selben Motiv mehrere Fotos und wählst dabei immer eine andere Blende.

 

Hinterher schaust du dir die Bilder an und kannst so herausfinden, bei welcher Blende dein Objektiv die größte Schärfe erzielt und ab welcher Zahl deine Bilder unschärfer werden. So erfährst du ganz genau, wie weit du mit deinem Objektiv gehen kannst.

Welche Blende kannst du nutzen?

Auf deinem Objektiv sind viele Angaben über dessen technischen Leistung.

Was hier steht, ist nicht genormt. Die Hersteller geben in der Regel jedoch immer die Brennweite sowie die größtmögliche Blende an. Weitere Angaben wie der Filterdurchmesser oder die optische Vergütung sind ebenfalls möglich. Wie weit sich die Blende jedoch schließen lässt (z.B. f22) ist nie angegeben. Diese Information findest du in der technischen Beschreibung des Objektives.

Standart Zoom Objektive (oft "KIT" Linsen genannt)

Fujinon XF 18-55mm f2.8 - f4
Fujinon XF 18-55mm f2.8 - f4

Beispiel:

Fujinon XF 18-55mm f2.8 - f4

 

Die meisten Hobbyfotografen arbeiten mit einem Zoom-Objektiv, welches als Kit-Objektiv beim Kauf des Kamerabodys dabei ist. Diese Objektive besitzen in der Regel eine variable Offenblende. Beim Beispiel des Fujinon Objektives steht die Offenblende von f2.8 nur in der Weitwinkelstellung (18mm) zur Verfügung. Beim arbeiten im Telebereich (55mm) ist immerhin noch eine f4 möglich. Warum das?

Meist fahren diese Objektive beim Zoomen "auseinander", sie werden also länger.

Das einfallende Licht hat nun einen weiteren Weg auf den Sensor.

Die Lichtstärke fällt also ab.

 

Diese veränderbare Lichstärke kann Probleme nach sich ziehen. Gerade Einsteiger verwirren schnell, wenn sich die Blende mal bis f2.8 und dann wieder nur bis f4 öffnen lässt.

 

Großer Vorteil der Kit-Linsen:

Meist sind sie relativ leicht, eignen sich daher gut als "immer drauf" Objektiv.

Premium Zoom Objektive

Nikon Nikkor 24-70mm f2.8
Nikon Nikkor 24-70mm f2.8

Beispiel:

Nikon Nikkor 24-70mm f2.8

 

Ambitionierte Hobbyfotografen wie auch Profis greifen meist auf Premium Zooms zurück.

 

Diese bieten eine gleichbleibende Offenblende, in diesem Fall eine f2.8

 

 

Nachteil der Premium Linsen:

Sie haben einen Premium Preis und sind relativ schwer und groß.

 

Übrigens:

Achtet bei Zooms im Allgemeinen auf den "Zoomfaktor"

Dieser ergibt sich durch "Längste Brennweite" (geteilt durch) "Kürzeste Brennweite"

In diesem Beispiel: 70mm/24mm = Faktor 2.9

 

Bei einem Faktor von bis zu "3" reden wir von einer sehr guten optischen Leistung die Nahe der Festbrennweiten liegt. "4" bis "6" ist gerade noch in Ordnung.

Faktor "7" bis "12" gebt ihr bitte direkt im Wertstoffhof ab.

Festbrennweiten - Die Lichtriesen

Sigma Art 35mm f1.4
Sigma Art 35mm f1.4

Beispiel:

Sigma Art 35mm f1.4

 

Festbrennweiten sind echte Lichtriesen.

 

Bis f1.8 sind sie in der Regel als bezahlbar anzusehen. Es gibt jedoch auch viele Gläser mit einer größtmöglichen Blende von f1.4 oder gar f1.2.

 

Diese Objektive sind meist relativ schwer, bestechen jedoch durch ihre überragende optische Qualität und den gestalterischen Möglichkeiten.

Kurze Zusammenfassung

Offene Blende → z. B. f/1.4 oder f/3.5 → Geringe Tiefenschärfe → z. B. bei Portraits und allen Situationen, in denen du den Fokus nur auf dein Hauptmotiv setzen möchtest und der Hintergrund verschwommen sein soll.

 

Geschlossene Blende → z. B. f/11 oder f/13 → Hohe Tiefenschärfe → z. B. bei Landschaftsfotografie, oder Achitekturfotografie und allen Situationen, in denen du dein Bild von Vordergrund bis Hintergrund scharf haben möchtest.


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