Zuletzt Bearbeitet: 27-09-2019 Autor: Heiko

 


Mit dem Dacia quer durch Rumänien - Unser Reisebericht
Mit dem Dacia quer durch Rumänien - Unser Reisebericht

Rumänien: Kriminelle und Prostituierte, Katastrophentourismus ala „Besuchen Sie uns, ihr Auto ist schon da“. Nicht zu vergessen ist natürlich Graf Dracula, welcher einem nach dem Leben trachtet. 👻

 

Ich weiß gar nicht wie oft ich mich gegen so dumme und haltlose Kommentare bzgl. unseres Reiselandes währen musste.

 

Ich bereise Rumänien (geschäftlich) schon lange und habe einen großen Wandel innerhalb der letzten Jahre erleben dürfen. Doch schon vor knapp 9 Jahren bei meinem ersten Besuch stand fest: Hier werde ich mal meinen Urlaub verbringen. Und diese 9 Jahre verbrachte ich damit meiner Frau gebetsmühlenartig zu erklären warum ich das möchte.

 

Offenherzige Menschen, sagenhafte Landschaften und (noch) günstige Unterkunftsmöglichkeiten sind nur ein Teil meiner Argumente.
Nun da unser Urlaub zu Ende ist, habe ich mit meiner Frau einen Partner an der Seite, welcher die gleichen Ansichten teilt. Auf unserer 2300 KM langen Reise verfiel sie meiner Faszination, vor allem für die Region Siebenbürgen sowie den Karpaten. Mission geglückt. 👌

 

Sicherlich ist Rumänien ein Land mit tiefsitzenden Problemen, dass möchte ich nicht beschönigen. Korruption als größtes. Infrastruktur, Staatsverschuldung, die Liste ist lang.

 

Mit diesem Reisebeicht zeige ich euch was wir auf unseren 15 tägigen Reise quer durchs Land erleben konnten, und hoffe ihr könnt euch euer eigenes Bild machen. Wir starteten in Bukarest und endeten in Cluji Napoca.


Parlamentspalast Bukarest

Parlamentspalast Bukarest / Haus des Volkes
Früh morgens bei aufgehender Sonne am Parlamentspalast Bukarest

Wahrlich, der Parlamentspalast (Gebaut als „Haus des Volkes“) ist ein absoluter Koloss. Es stellt als zweitgrößtes Verwaltungsgebäude (Platz 1: Pentagon – USA) der Welt einen Bau der Superlative. Denk ihr nicht?

 

Betrachtet mal die 🧐 Fakten:

 

- Es wurde im 3 Schicht Betrieb in knapp über 5 Jahren gebaut. Beschäftigt waren dabei 20.000 Arbeiter sowie um die 500 Architekten. 💪

 

- Um Areal für das Bauvorhaben zu schaffen wurden Ende der 1970er unzählige Gebäude mit rund 40.000 Wohnungen dem Erdboden gleichgesetzt. Auch viele Kirchen sowie Synagogen. Religion stand beim regierenden Staatspräsidenten Ceaușescu eh nicht an erster Stelle.

 

- Es entstand ein Gebäude mit einer Länge von 275 Metern, einer Breite von 235 Metern, und einer Höhe von 86 Metern. Wir reden also von einer bebauten Fläche von 65.000qm.

 

- In 5100 Räumen findet man 3000 "kleine" Zimmer, riesige Hallen und Flure. Alleine 30 Räume sind zwischen 200 und 2000qm groß. (Meine Dachgeschosswohnung besitzt 55qm, was mach ich verkehrt?) 😲

 

- Fürs „Geschäftchen“ könnt ihr zu 200 verschieden Toiletten gehen, zu welchen ihr einen der 31 Aufzüge nehmt. Oder ihr nutzt den Fußweg auf über 52.000qm verlegten Teppichen, begleitet von 150.000 Glühlampen in 480 Kronleuchtern 😲😲

 

- Aktuell kümmern sich 170 Techniker um die Instandhaltung des Gebäudes, welches 40.000 € reine Betriebskosten monatlich schluckt.

Das hört sich alles voll Hammer an, ich weiß.

 

Aber man darf nicht vergessen in welcher Zeit das geschah. Die rumänische Bevölkerung war bitter arm, im Winter 84/85 mussten die Bürger Ihren Stromverbrauch um 40 % reduzieren und die Temperatur der Wohnungen durfte 12° nicht überschreiten. 😨

 

Viel hatte Ceausescu nicht von seinem Bau. Ende 1989 erhob sich das Volk. Vor einem eilig zusammengestellten Militärgericht wurde er unter anderem des Völkermords und der Schädigung der Volkswirtschaft angeklagt. Vor laufenden Kameras wurde er zusammen mit seiner Frau am 25. Dezember 89 erschossen.

 

Die Bilder sind während einer offizielen Besucherführung entstanden, auf die schnelle aus der Hand. Nicht perfekt, aber darum ging es hier auch nicht.
Während dieser knapp einstündigen Tour haben wir laut Guide gerade mal 5 Prozent des Gebäudes gesehen (!).

 

Standort: GoogleMaps

Website: Palace of Parliament

 

Unser Hotel in Bukarest: Europa Royale Bukarest



Pasajul Macca-Villacrosse - Blick nach oben. Rumänien Reisebericht
Pasajul Macca-Villacrosse - Blick nach oben.

 

Pasajul Macca-Villacrosse

 

 

 

Lust auf einen Kaffee?

Schaut mal in der 1891 erbauten Pasajul Macca-Villacrosse vorbei.

 

Die Passage besteht aus zwei glasüberdachten Gassen, neben ein paar Szenegeschäften kann man hier in unzähligen Cafes und Restaurants die wundervolle Architektur genießen.

 


Die Schlammvulkane von Berca

Ankuft am Schlammvulkan Areal "Check"
Ankuft am Schlammvulkan Areal "Check"

 

 

Schlammvulkane sind ein seltenes Naturschauspiel, am bekanntesten sind die in Rumänien und denen wollten wir einen Besuch abstatten ✌

 

Zu finden sind sie in der Nähe von Berca. Man kann sie sich als Mini-Vulkane vorstellen, deren Vulkankegel etwas über dem Erdboden aufragt und einige Meter breit sind.

Die größten von ihnen erreichen einen Durchmesser von 8 Metern. Bei seiner Entstehung war jeder Schlammvulkan ein Loch im Boden, durch das Gase aus dem Erdinneren tonhaltige Erde und Schlamm nach draußen spuckt.

Nach und nach bilden sich um das Loch Ablagerungen dieser „Grüße aus der Tiefe”, die sich über Jahrzehnte zu Vulkankegeln formen. Im inneren des Schlammvulkans blubbert es munter weiter und die Gase aus 3.000m Tiefe treten als riesige Blasen an die Oberfläche.

 

So entstand eine sagenhafte Mondlandschaft. Ich habe mich dumm fotografiert, vor allem an „Schlammstrukturen“ und zu Hause festgestellt das niemand 30 Bilder von getrocknetem Matsch braucht 😆📷

 

Standort: GoogleMaps


Braunbärenreservat bei Zărnești

Angekommen in Brasov, starten wir am dritten Tag zu unserem Ausflug. Ein Bärenreservat sowie eine Burgruine stehen auf dem Plan.

 

6500 Braunbären. So viele streifen durch Rumäniens Wälder, und wir waren froh sie "nur" in einem Reservat sehen zu dürfen.

 

Bis vor einigen Jahren war es leider "schick" als Besitzer eines Ausfluglokales, eines Hotels oder auch einer Tankstelle sich einen Bären im Käfig zu halten. Schließlich möchten die Gäste entsprechend bespaßt werden.

Nicht nur, dass diese Art der Tierhaltung im Herzen schmerzt.


Teils wurden den Tieren die Augen und Nasen verätzt um sie vollkommen von Ihren Besitzern abhängig zu machen.

Die private Bärenhaltung ist seit 2005 endlich illegal. Im gleichen Jahr wurde ein 69 Hektar großes Reservat bei #Zărnești geschaffen um eben jenen Bären einen artgerechten Lebensabend zu ermöglichen.

 

Der Betrieb der Auffangstation ist nur durch Spenden und Eintrittsgelder möglich, vom rumänischen Staat gibt es scheinbar: Nichts.

Sofern einer von euch mal #Brasov besuchen sollte: Es ist ein schöner Ausflug raus aus der Stadt, und ihr tut gutes damit.

 

Standort: Google Maps

Website: ampbears.ro


Burg Rosenau

Die Festung Râşnov ist ein historisches Monument und Wahrzeichen in Rumänien. Sie befindet sich in Râşnov, Kreis Braşov. Die Festung wurde als Teil eines Verteidigungssystems für die transsylvanischen Dörfer gebaut, die der Invasion von außen ausgesetzt waren. Erklärt wird nichts, zu sehen gibt es nichts (Exponate oder ähnliches). In jedem verfügbaren Räumchen wird versucht Kitsch aus Fernost zu verkaufen. Allein die Aussicht ist schön. Kann man gesehen haben, muss man aber nicht.

 

Standort: GoogleMaps


Schloss Peleș

Schloss Peleș - Sinaia / Reisebericht Rumänien
Schloss Peleș - Sinaia

Schloss Peleș, das Neuschwanstein Rumäniens?

 

Der vierte Tag unserer Reise bricht an, wir starten zeitig zu einem wundervollen Schloss. Später möchten wir die Kirchenburg von Honigberg besuchen. Eine der größten und schönsten Siebenbürgens. 🏰

 

Rund 1,5 Kilometer nordwestlich der Stadt Sinaia befindet sich Schloss Peles. Es wurde zwischen 1873 und 1883 für König Carol I. von Rumänien erbaut. Bis zu Carols Tod im Jahr 1914 diente das Schloss als dessen Sommerresidenz. 1947 beschlagnahmte es das kommunistische Regime.

 

Sieben Terrassen umgeben das Schloss. Ein Teil der 160 Zimmer kann seit 1993 besichtigt werden. Das Schlossmuseum hat eine Ansammlung von Waffen, Skulpturen, Möbeln und dekorativen Gegenständen. Es enthält weiterhin ein Theater mit 60 Sitzen, das später zu einem Kino umgewandelt wurde.

 

Auch hier wurden die Bilder aus der Hand gemacht, was wäre es für ein Traum hier wirklich gute Bilder mit Stativ machen zu dürfen.

 

Standort: GoogleMaps

Website: peles.ro



Die Kirchenburg in Hărman (Honigberg)

Die Kirchenburg in Hărman - Honigberg / Reisebericht Rumänien
Die Kirchenburg in Hărman - Honigberg

Die Kirchenburg ist eine besondere Bauform einer Kirche, die neben der Religionsausübung von den ansässigen Dorf- oder Ortsbewohnern auch als Rückzugs- und Verteidigungsbau genutzt wurde. Von einer Kirchenburg spricht man, wenn die Kirche von eigenen Verteidigungsanlagen, etwa Mauern und Türmen, umgeben ist.

Wie lief das Leben im ausgehenden Mittelalter in einer belagerten Kirchenburg ab?
In Honigberg kann man dies an den zahlreichen restaurierten Bauteilen noch heute plastisch nachvollziehen.
Die Kirchenburg wurde vor allem im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach belagert und angegriffen, konnte aber nicht eingenommen werden.
Im Jahr 1612 gelang es den Dorfbewohnern sogar, die Burg gegen ein 7.000 Mann starkes Heer des ungarischen Fürst Bathori zu verteidigen.
Zu der Zeit war die Anlage mit drei Ringmauern, einem Wassergraben und zahlreichen Wehrtürmen gesichert.
Die dritte Burgmauer war an der Innenseite komplett mit Lagerräumen bebaut.
Die Versorgung mit Wasser erfolgte über Brunnen, die sich innerhalb der Befestigungen befanden.

In die Kirche integriert waren Wohnzellen, die im Belagerungsfall dem Bürgermeister, dem Pfarrer und weiteren wichtigen Gemeindevertretern als Wohnraum zur Verfügung standen.

 

Es gibt sie noch, die deutschsprachigen Honigberger. Wir durften eine sehr herzliche Frau kennenlernen, und verfielen in einen kleinen Plausch... vielen Dank für diesen tollen Einblick ins damals und jetzt.

 

Standort: Google Maps

Website: harmaninfo.com


Brasov - Kronstadt

Marktplatz Brasov - Kronstadt / Reisebericht Rumänien
Marktplatz Brasov - Kronstadt

In Brasov fing es an. Meine liebe zu Rumänien.

 

Durch die dichte Ansiedlung deutscher Firmen führte mich mein Job schon 2010 erstmals nach Kronstadt (Brasov).

 

Kronstadt? Brasov? Was jetzt? Ach übrigens, zehn Jahre war man hier auch in "Stalinstadt" zu Hause.

 

Kronstadt wurde von den Ritterbrüdern des deutschen Ordens im frühen 13. Jahrhundert als südöstlichste deutsche Stadt in Siebenbürgen gegründet.

Kronstadt war über Jahrhunderte neben Hermannstadt (Sibiu) das kulturelle, geistige, religiöse und wirtschaftliche Zentrum der Siebenbürger Sachsen, die seit dem 12. Jahrhundert auf Einladung des ungarischen Königs in der Region siedelten und bis ins 19. Jahrhundert hinein die Mehrheit der Stadtbevölkerung bildeten.
Im 13. Jahrhundert fielen die Mongolen und seit dem 14. Jahrhundert immer wieder Türken in die Stadt ein. Im 16. Jahrhundert war Kronstadt der Ausgangspunkt der lutherischen Reformation in Siebenbürgen. Kronstadt und seine Umgebung gehörten zum Königreich Ungarn, zum Fürstentum Siebenbürgen bzw. zur Habsburgermonarchie, bis sie nach dem Vertrag von Trianon von 1920 an Rumänien abgetreten werden musste.

In der Zeit von 1951 bis 1961 wurde die Stadt im Gefolge des Personenkults um Stalin in Orașul Stalin (Stalinstadt) umbenannt. Bereits 1987,
zwei Jahre vor dem Wendejahr 1989, gehörte Brașov zu den ersten Städten Rumäniens, in denen sich Arbeiter im Aufstand von Brașov gegen die Ceaușescu-Diktatur erhoben. Viele Teilnehmer dieses Aufstandes blieben nach Verhaftungen verschollen.

 

Es gibt viel zu sehen, ich hab davon nur wenig fotografiert. Warum? Ich mag den maroden Charme der Stadt, habe mich eher darauf konzentriert. 📷

 

Brasov ist eine der lebendigsten Städte die ich kenne, bis tief in die Nacht ist in unzähligen Bars und Restaurants hochbetrieb.

Hotels und kleine Pensionen schießen aus dem Boden. Es geht steil aufwärts. 📈

 

Den besten Überblick könnt ihr euch bei einer kostenfreien Stadtführung geben. (Spenden sind gerne gesehen 💸 )

 

Standort: GoogleMaps

Website: FreeWalkingTour

 

Unsere Pension in Brasov: Arce 35

Restaurantempfehlung: Pilvax


Weiter geht die Reise in Teil 2

 

 

Unsere sagenhafte Reise nimme noch lange kein Ende.. verwunschene Dörfer, atemberaubende Landschaften unf unvergessliche Momente werden auf uns warten.

 

Schaut jetzt in Teil 2

 



Reiseführerempfehlung

Wir sind seit vielen Jahren in Europa unterwegs. In den Anfangsjahren mit zig verschiedenen Reiseführern die man sich so zusammen gesammelt hatte. Irgendwann hatten wir einen vom Michael Müller Verlag. Zugegeben, die Teile sind nicht handlich/reisefreundlich. Dennoch findet ihr zu den entlegensten Orten hilfreiche Infos. Kombiniert mit sehr guten Restaurant und Hotelempfehlungen. So gingen wir auch nach Rumänien mit  einem Reiseführer und wurden, mal wieder, nicht enttäuscht.

 

Es ist ein AffiliateLink. Bedeutet ich bekomme ein paar Cent gutgeschrieben wenn ihr über diesen Link kauft. Ob es euch der vorangehende Reisebericht wert ist, entscheidet bitte selbst.



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Kommentare: 4
  • #1

    Simion Alb (Sonntag, 14 Oktober 2018 13:44)

    Excellent photos and great story!
    Thank you for showing beautiful areas of Romania!

  • #2

    Conny (Freitag, 22 März 2019)

    Hallo,
    ich habe den Reisebericht mit Begeisterung gelesen. Vor allem auch die vielen Bilder sind toll.
    Wir planen im Mai eine Reise mit dem Wohnmobil nach Rumaenien und viele der beschriebenen Orte wollten wir sowieso sehen, aber durch den Reisebericht haben wir nun eine sehr viel genauere Vorstellung und einige neue Anregungen waren auch noch dabei.
    Gut fuer die Vorfreude!
    Vielen Dank

  • #3

    Verena (Sonntag, 19 Mai 2019 18:57)

    Tolle Fotos �� und toller Bericht

  • #4

    Gudrun Schütz (Montag, 23 September 2019 14:28)

    Toller Bericht mit eindrucksvollen Bildern. Wir fahren im Oktober mit dem Wohnmobil. Hoffentlich ist das nicht zu spät.


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