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"Verbotene Insel" - Wustrow

Weltenbummler, Blogger und Reisefotograf mit einer Vorliebe für verborgene Orte, das bin ich. Heiko. Auf meiner Seite berichte ich dir von den verrücktesten Reisezielen der Welt: mit viel Liebe zum Detail, inspirierend, authentisch und vor allem: immer ehrlich!

Ich biete dir jedoch auch praktische Fototipps, hierfür habe ich die Coburger Fotoschule gegründet. Erfahre mehr über mich!


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Unterkünfte auf der Halbinsel Wustrow

Wustrow ist eine 10 km² große Halbinsel in der Mecklenburger Bucht südwestlich von Rerik. Zwischen den 1930er und 1990er Jahren war die Halbinsel militärisch genutzt. Auch nach Abzug der Militärs blieb Wustrow für die Öffentlichkeit weitgehend unzugänglich. Doch warum?

Das ganze Gebiet ist seit Jahrzehnten streng abgeschottet, das Betreten verboten. Laut Warnschild am Zaun, der vom Salzhaff über den Wustrower Hals bis in die Ostsee reicht, herrscht hier "Lebensgefahr". Denn im Boden liegt noch Munition und die Gebäude sind einsturzgefährdet. Ein großer Teil der Halbinsel ist zudem Naturschutzgebiet.

Zu guter letzt ist die Insel im Privateigentum eines Investors mit großen Plänen.

Doch der Verfall und die bewegte Geschichte von Wustrow ziehen die Menschen an.

Natürlich weckte dieser besondere Ort auch mein Interesse.

 

Durch eine Sondergenehmigung wurde mir die Möglichkeit gegeben, weite Teile der Insel zu besuchen und diese fotografisch zu dokumentieren. Ich hatte über die komplette Besuchsdauer eine Sicherheitsfachkraft an meiner Seite, alleine dieser Fakt zeigt auf das mit den Gefahren durch die maroden Gebäude sowie der Bodenbelastung nicht zu spaßen ist.


Unter den Nazis entstand auf Wustrow ein großer Militärkomplex, von dem aus die Flugabwehr geübt wurde. Auch dieser Exerzierplatz wurde in der Flak-Schule angelegt.
Unter den Nazis entstand auf Wustrow ein großer Militärkomplex, von dem aus die Flugabwehr geübt wurde. Auch dieser Exerzierplatz wurde in der Flak-Schule angelegt.

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Halbinsel Wustrow

Die Nazis hatten schon direkt nach der Machtübernahme Interesse an der Halbinsel gezeigt. Sie wollten hier die größte Flackartillerie Schule des Deutschen Reiches errichten.

 

Die Pläne wurden zügig umgesetzt und schon im Jahr 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Insel von den Vorbesitzern, den Brüdern Balduin und Bernhard von Plessen.

 

Glück für die Brüder war das sie hierfür reichlich Entlohnt wurden. Für 1,4 Millionen Reichsmark ging die Insel in die Hände der Wehrmacht über - die Alternative wäre nur die Enteignung gewesen.

 

Innerhalb von nur zwei Jahren wurden militärische und zivile Gebäude errichtet - ausreichend für 4.000 Menschen die in Spitzenzeiten auf Wustrow lebten.

 

Die Flak-Schule wurde ein Vorzeigeobjekt. Jede Wohnung hatte warmes und kaltes fließendes Wasser - für damalige Verhälntisse der reinste Luxus.

Je nach Ranghöhe des Offiziers standen Wohnung von mit 4-6 Zimmern zur Verfügung.

Es entstand eine Siedlung, genannt "Gartenstadt", mit allem was dazugehört.

 

Neben einer Krankenstation gab es eine Bäckerei, diverse Einkaufsmöglichkeiten, ein Casino sowie die damals modernste Schwimmhalle des deutschen Reiches.

 

Abseits des riesigen Exerierplatzes gab es auch reichlich Fläche für die modernste Flak Technik. Neben Geschützen die Munition bis 10,5 Zentimeter abschossen gab es auch viele kleinere Geschütze.

 

Der promineste Ausbilder war übrigens der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt, welcher hier 1943 stationiert war.

 

Viel gibt es davon heute nicht mehr zu sehen. Die meisten Stellungen und militärische Gebäude wurden von den sowjetischen Besatzern germäß Potsdamer Abkommen gesprengt - und durch eigene Baracken, Kasernen und Fahrzeughallen ersetzt.

Ehemalige Gärtnerei
Ehemalige Gärtnerei
Urbex Wustrow
Ehemaliges Lazarett welches durch die Sowjets zur Turnhalle umgebaut wurde.
Schaufenster des damaligen Einkaufmarktes
Schaufenster des damaligen Einkaufmarktes

Lost Place Wustrow
Sowjetische Wandkunst im "Tower"

Am 2.5.1945 kamen die Russen auf der Halbinsel Wustrow an.

Nur drei Offiziere waren zu diesem Zeitpunkt noch stationiert.

Die Stadtverwaltung von Rerik gab telefonisch durch das die Russen da wären und auf direktem Wege zur Halbinsel sind. Die Offiziere entliesen ihre letzten Soldaten aus dem Soldaten-Eid.

Diese schnapten sich ein Boot und waren über alle Berge.

Als die Russen schließlich eintrafen wurde die Halbinsel kampflos übergeben.

In den folgenden drei Wochen haben die Offiziere zusammen mit den sowjetischen Militärs diverse Übergabeprotokolle ausgearbeitet. Im Anschluss kamen sie in ein sibirisches Straflager.

Kurz darauf suchten unzählige Vertriebene aus Ostpreußen, Hinterpommern und Schlesien die Halbinsel auf, teilten sich diese mit den sowjetischen Besatzern.

 

Dies wurde jedoch nur bis 1949 toleriert, alle Deutschen mussten die Insel verlassen und die "Garnision Wustrow" gegründet.

 

Zur Einheit zählten 53 Panzer, eine schwere Flak und eine Marineeinheit - allerdings ohne Schiffe. Ja, sowas gab es auch. Denn die Hauptaufgabe der Marineeinheit war es nur den gesamten westlichen Sektor abzuhören und zu beobachten.

 

Gleichzeitig haben die Rotarmisten versucht mit dem Bau eines Towers den Klassenfeind in die Irre zu führen.

Urbex Wustrow Lost Place
Der "Tower"

Die Russen betrieben hier gar keinen Flugverkehr. Die Flugzeuge starteten im nahen Ribnitz - Damgarten und sind mit angehängten Luftsäcken über Wustrow geflogen. Von hier aus wurde dann - wie schon bei den Nazis - auf diese mobilen Übungsziele gefeuert. Im Tower war ledglich die Leitzentrale zur Auswertung der Schießübungen untergebracht. Trotzdem gab es ein "Fake" Rollfeld auf dem 14 Flugzeug-Attrappen standen. Diese wurden regelmäßig umgestellt, um der westlichen Luftaufklärung einen steten Flugbetrieb weiß zu machen.

Ehemaliges Offizierskasino der Sowjets
Ehemaliges Offizierskasino der Sowjets
Rote Armee Wustrow
Versteckte Wandkunst
Wustrow Lost Place
Die Natur übernimmt - Wustrow

Die militärische Nutzung endet am 18. Oktober 1993. Wenige Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende der Sowjetunion ziehen die letzten Soldaten ab, Wustrow kommt ins Bundesvermögen. Es kehrt Ruhe in Rerik ein, dem der Insel vorlgelagertem Ort. Jahrzehnte lang sind Militärkolonnen über den Wustrower Hals zu Halbinsel gebrettert - nun kein Verkehrslärm und Flakdonner mehr. Die Insel gerät zunehmend in Vergessenheit.

 

Dennoch oder gerade deswegen gibt es hier heute blühende Landschaften: Das im Westen gelegene rund 700 Hektar große Naturschutzgebiet bietet nach Jahrzehnten ohne menschliche Eingriffe seltenen Tierarten ein Zuhause. Rund um den früheren Tower liegen noch einmal 200 Hektar Landschaftsschutzgebiet. Kaum zu glauben, dass die Halbinsel bis nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch waldlos war.

 

Heute ist Wustrow ein Naturparadies und gigantischer Lost Place in bester Lage mit direktem Ostseeblick.


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