· 

Laowa Probe 24mm Makroweitwinkel

Weltenbummler, Blogger und Reisefotograf mit einer Vorliebe für verborgene Orte, das bin ich. Heiko. Auf meiner Seite berichte ich dir von den verrücktesten Reisezielen der Welt: mit viel Liebe zum Detail, inspirierend, authentisch und vor allem: immer ehrlich!

Ich biete dir jedoch auch praktische Fototipps, hierfür habe ich die Coburger Fotoschule gegründet. Erfahre mehr über mich!


Das Laowa 24mm Probe im Einsatz.
Das Laowa 24mm Probe im Einsatz.
Was für ein verrücktes, seltsames Teil ;)

Genau das waren meine ersten Gedanken als Laowa das 24mm Probe Makroweitwinkel im Jahr 2018 vorstellte.

 

Der Begriff "Probe" kommt übrigens aus dem Englischen und bedeutet "Sonde".

 

Und ja, "Sonde" ist der richtige Begriff für diese Linse.

 

Das grundsätzliche Interesse an einem anderen Weitwinkel der Firma Venus Laowa führte mich zum deutschen Importeur.

 

Scheinbar haben meine Arbeiten dort gefallen gefunden. So wurden mir gleich drei Objektive gestellt, welche ich ausgiebig testen durfte.

 

Die Erstellung eines Testberichtes war dafür keine Bedingung und natürlich gingen die Linsen wieder zurück. Ich habe also keinen Benefit daraus, und das ist für eine neutrale Bewertung der Objektive der richtige Weg. Ich besitze kein Testlabor sondern bin Praktiker. Ich entscheide auf Grundlage meiner Erfahrung ob etwas gut ist oder nicht. Und das entscheide ich für mich.

 

Mit Dingen die mir nicht gefallen habt ihr vielleicht kein Problem sowie andersrum.

 

Im Folgenden also, ein unverblümter Erfahrungsbericht über meine Zeit mit dem "Schnorchel".

Fokusstaking aus 4 Aufnahmen bei f22
Fokusstaking aus 4 Aufnahmen bei f22

 

Wer mich kennt der weiß Bescheid: Ich bin ein Gear Nerd, also ein Technikverrückter frei nach dem Motto "Besser haben als brauchen".

 

 

Ich gebe gern Geld für Technik aus. Das macht meine Bilder zwar nicht besser, aber ich habe einfach mehr Spaß daran mit professionellem Equipment zu arbeiten.

 

 

Also kommen wir zu den technischen Daten welche die Herzen vieler gleichgesinnter höherschlagen lassen.

 

 

 

Brennweite: 24mm
Sensor: Vollformat und APS-C
Anschluss Standart Version: Canon EF, Nikon F, Sony FE, Pentax K
Anschluss Cine Version: Canon EF, Arri PL
Blende: f14 bis f40
Blickwinkel: 85°
Linsenaufbau: 27 Elemente in 19 Gruppen
Min. Fokusabstand:

ca. 47cm zum Sensor =

Das bedeutet ca. 2cm vor der Linse

Fokus:

Manuell

Abmessungen:

38 * 408mm wobei die Sonde

selbst nur einen Durchmesser

von 20mm besitzt.

Abbildungsmaßstab: 1:2.00
Filterdurchmesser: kein Filtergewinde
Gewicht: 474g
Besonderheiten:

Integriertes LED Ringlicht

Wasserdicht auf 20cm Eintauchtiefe

Preis:

1.799,00 € Standart Version

1.999,00 € Cine Version

Nun lag sie vor mir, die sagenumwobene Linse. Hochwertig verarbeitet. Im Metalgehäuse und trotzdem angenehm leicht.

 

Ich hatte zuvor schon das Internet nach ansprechenden Aufnahmen durchgestöbert. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich da relativ wenige gefunden. Eigentlich nur die wundervollen Aufnahmen von Frank Leinz, dieser hatte die Linse in der Landschaftsfotografie eingesetzt und die Aufnahmen rocken richtig!

 

Die richtig verrückten Geschichten reißen meist die Filmer ab, hier mal zwei der spektakulärsten Clips dazu:

Während der Corona Epidemie war es mir nicht möglich weit zu verreisen. Anstelle epischer Landschaften wie bei Frank musste der eigene Garten herhalten. Und hier, im Makro ist die Linse ja auch eigentlich viel eher in ihrem Element.

 

Hier merkte ich gleich das eine maximale Blendenöffnung von f14 wirklich schwierig handzuhaben ist. Wie jede Linse ist auch das Probe Objektiv bei voller Blendenöffnung nicht wirklich scharf. Ich bin daher meist auf eine f22 gegangen.

 

Ich versuche die ISO immer so niedrig zu halten wie es geht. Wenn nun das Umgebungslicht auch noch schlecht ist, könnt ihr euch sicher vorstellen das mein erstes Problem die Verschlusszeit war.

 

Schnelle Aufnahmen aus der Hüfte gehen also nur schwer. Stativ ist fast Pflicht. Aber auch dein Motiv muss still halten.

 

Einige Fotografen arbeiten dem endgegen mit diversen Blitz- oder Dauerlichtlösungen. Ich Griff auf das fest verbaute LED Ringlicht zurück.

 

Der Strom wird durch eine externe Powerbank geliefert welche nicht im Lieferumfang ist. Diese wird mittels eines Micro USB Kabels mit dem Objektiv verbunden was relativ fummlig ist.

 

Jetzt das nächste Problem: Ich konnte die Lichtstärke nicht regeln.

Es gibt zwar Verbindungskabel mit integrierten Regler, dieses hatte ich jedoch nicht.

 

Doch das starke Licht hatte seine Vorteile. Bei den unten gezeigten Aufnahmen war es mir möglich den Hintergrund "absaufen" zu lassen. Ganz cool oder? Lenkt den Blick besser aufs wesentliche.


Ich bekam langsam ein Gefühl dafür was mit der Optik möglich ist. Doch die Fotografie von Insekten, Blumen und sonstigem Grünzeug:

Absolut nicht meine Welt. Die ganze Makrowelt war mir neu, ich wollte diese doch lieber in gewohnter Umgebung erkunden.

 

Wie ein Segen war die zeitnahe Lockerung der Ausgangsbeschränkung welche es mir ermöglichte eine alte Schraubenfabrik zu besuchen.


Einzelaufnahme f22 - ISO100 - 4 Sekunden
Einzelaufnahme f22 - ISO100 - 4 Sekunden

Die Metallschraubenfabrik Graba in Saalfeld ist ein Kleinod der Industriegeschichte und gilt als das einzige bundesweit erhaltene Industriedenkmal dieser Art.

Sie zeigt ein klassisches Fabriksystem um die Jahrhundertwende, in dem Schrauben aller Art hergestellt wurden. Es scheint, als wäre man einer Zeitmaschine entstiegen. 80 Jahre lang wurde in der Schraubenfabrik Saalfeld produziert. 1990 wurden die Maschinen endgültig abgestellt und die Maschinensäle so belassen, als hätten sie die Arbeiter nur zu einer kurzen Pause verlassen.

 

Es ist möglich die "Schraube" durch eine Führung zu besuchen, ich hatte das Glück die alten Gemäuer alleine erkunden zu dürfen. So ging ich zwischen Spinnenweben und Maschinenfett auf Motivjagd.

Man muss sich wirklich erst daran gewöhnen. Die Kamera steht immerhin fast einen halben Meter vom gewünschten Motiv entfernt.

 

Die folgenden Aufnahmen wurden alle bei ISO100 und f22 aufgenommen. Das bedeutete 6-10 Sekunden Belichtungszeit pro Aufnahme.

Die ersten Aufnahmen waren gleich vielversprechend. Man mag fast sagen ich fand gefallen an der Makrofotografie. Kleine Dinge plötzlich groß erscheinen lassen, toll! Die statischen Motive bewegen sich nicht, genug Zeit um über das Fokus Peaking den perfekten Schärfepunkt einzustellen.

 

Bei diesen Muttern probierte ich gleich etwas neues für mich aus: Fokus Stacking. Hierfür werden mehrere Bilder mit verschiedenen Schärfeebenen zu einem verschmolzen. Als Ergebnis wird ein knackscharfes Bild errechnet auf dem selbst kleinste Details zu erkennen sind.

Direkt als ich die ersten "Behind the Scenes" Aufnahmen zeigte, wurde in den Sozialen Netzwerken häufig gefragt woher der Objektivschutz stammt. Dieser war schon auf dem Motiv montiert und ich kann ihn nur empfehlen.

Kaufen kann man es hier [Klick].

Im Industriedenkmal darf nichts berührt werden. Da spielt die Linse doch toll ihre Stärke aus. So konnte ich relativ nah an diese alte Glühlampe.

 

Im Gegensatz zu herkömmlichen Makroobjektiven zaubert das Probe Objektiv Aufnahmen mit extrem viel Hintergrunddetails.

Der Schärfeverlauf ist wunderschön. Der Fokus liegt bei dieser Einzelaufnahme auf dem Schraubengewinde in der Bildmitte. Die Schärfe läuft weich nach hinten aus.

Bokeh? Kann sie auch. Und sogar ganz gut. Die Aufnahme des Spänehaufens ist allerdings auf einer f14 erstellt worden.

Das Probe ist ein Nischenobjekitv.

Man möchte fast denken, für die Nische der Nischen.

 

Aber genau für diesen Markt ist es ein ganz heißes Teil.

Für kreative Köpfe eröffnet dieses Objektiv noch nie dagewesene Motivwelten.

 

Gerade für Filmer aber auch für Fotografen ein gänzlich neues Erlebnis.

 

Durch den hohen Anschaffungspreis überlegt man sich zweimal ob es eine lohnende Investition ist.

 

Doch ist der Preis wirklich so hoch?

 

Laowa hat sich mit der Entwicklung eines Sonderobjektives vertraut gemacht, bei welchen keine immensen Stückzahlen zu erwarten waren. Egal ob ein Objektiv 5000 mal gebaut wird, oder zu mehreren hundertausend:

 

Die Entwicklungskosten sind die gleichen. Und für eine junge Firma wie Laowa noch schwerer zu tragen als für "die Großen". Diese Kosten müssen wieder reinkommen.

 

Spätestens wenn man dieses hochwertige Objektiv in den Händen hält, und man sich sicher ist die gegebenen Möglichkeiten ausschöpfen zu können, realisiert man:

 

Es ist jeden Cent Wert!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0