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Regelbau

Bunkeranlage am Strand von Vigsø
Bunkeranlage am Strand von Vigsø

Als „Regelbau“ bezeichnet man ein standardisiertes Bunkerbauwerk. Durch die Standardisierung der Bauwerke wollte man mehrere Dinge erreichen:

 

  • Erprobte Ausführungen beim Bunkerbau sollten eingehalten werden
  • Vereinfachte Fertigung großer Stückzahlen von z. B. Panzerungs- und Lüftungsteilen und vereinfachte Bestellung bei der produzierenden Industrie
  • Vereinfachte Erkundung von Bauplätzen im Hinblick auf die strategische Lage
  • Erleichterung der Bauausführung
  • Erleichterter Materialnachschub zur Baustelle
Regelbau
Regelbau

 

 

 

 

 

"Während des Zweiten Weltkriegs wurden die dänischen Küsten in den Atlantikwall einbezogen. Die Überreste der 2.685 Kilometer langen Verteidigungslinie kannst du heute noch an mehreren Stränden in Dänemark und teilweise auch noch in Norwegen, Frankreich, Belgien, auf den britischen Kanalinseln und in den Niederlanden sehen."

Überall an den Küsten Dänemarks erinnern Bunker an die Zeit der deutschen Besatzung von 1940 bis 1945. Rund 7000 Betonunterstände sollen dänische Arbeiter auf Befehl der Wehrmacht gebaut haben. Rund 6000 von ihnen stehen noch heute. Mit Sicherheit sind die noch immer zahlreich vorhandenen Bunker nicht der Grund für einen Urlaub an der dänischen Nordseeküste, dennoch lohnt sich ein Besuch und ein damit verbundener Ausflug in die Vergangenheit.

Bunkeranlage am Strand von Vigsø
Bunkeranlage am Strand von Vigsø

Noch jetzt werden Bunker entdeckt, die unter Dünen verschwunden waren. Wie 2008, als der Wind eine Anlage bei Ringkobing freilegte, die 63 Jahre unter dem Sand geschlummert hatte. Forscher stießen auf das komplette Bunkerinventar mit Möbeln, Briefmarken und Uniformresten.

 

Es besteht ein wachsendes Interesse an den Kriegshinterlassenschaften. Fast 60.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr in das Museumcenter Hanstholm, jeder fünfte von ihnen aus Deutschland. Das Museum wurde 1979 auf einer gewaltigen deutschen Festungsanlage mit mehr als 400 Bunkern gebaut.

 "In den Jahren nach dem Krieg füllten sich einige der Bunker mit Sand, sodass sie nicht mehr begehbar sind oder gar komplett unter den Dünen begraben wurden."

Bunker der Batterie Hanstholm
Bunker der Batterie Hanstholm

Dänemark wurde bis zum Kriegsende 1945 nicht in Kampfhandlungen verwickelt. Die dänische Küste bot sich jedoch aus Sicht des deutschen Oberkommandos zwingend als möglicher Landungspunkt an, um von Norden her gegen die deutsche Grenze vorzustoßen und gegen Deutschland den letzten und vernichtenden Schlag führen zu können. Zunächst festungsbautechnisch vernachlässigt, wurden daher die dänischen Strände ab 1944 mit Priorität befestigt.

 „Die Bunker sind die letzten sichtbaren Zeugen einer schlimmen Zeit für Dänemark“

Obwohl gegenwärtig viele der Bunker geschlossen wurden, auf privaten Grundstücken liegen oder komplett mit Sand gefüllt sind, kannst du auch heute noch einige betreten. Allerdings auf eigene Verantwortung, denn es ist nicht ganz ungefährlich.

 

Einige der Bunkerruinen stellten jetzt gar eine Gefahr für die Strandbesucher dar, weil Eisenspitzen und scharfe Betonsplitter aus dem Sand ragen. Die großen Wellen, die Energien des Wassers wirken wie grobes Sandpapier und machen den Bunkerbeton mit der Zeit so porös, dass die Stahlarmierungen zum Vorschein kommen und hervorstechen und außerdem scharfe Betonkanten entstehen.

Flakstellung bei Hanstholm
Flakstellung bei Hanstholm

"Viele der Bunker wurden ein ernstes Risiko. Seit August 2013 wird die Westküste aufgeräumt."

Bunker am Strand von Vigsø
Bunker am Strand von Vigsø

 

„Wir entfernen die Bunker“ – unter diesem Motto steht in Dänemark das Programm. Etwa 25 Millionen dänische Kronen (etwa 3,3 Millionen Euro) kostet es. Das Land ist glücklich über jeden Bunker, der verschwindet, was schon niemand mehr zu hoffen gewagt hatte.

 

Allein die Frage der nicht unerheblichen Kosten für den Abriss hatte die Dänen etwas nachdenklich werden lassen, einige wollten, dass Deutschland für seinen Beton bezahlt. Aber Dänemark stellt keine Rechnung.

Das hatte man auch nicht bei der großen Minenräumaktion in Skallingen getan, wo mehr als 72 000 Minen aus dem Zweiten Weltkrieg gelegen haben sollen. Von 2005 bis 2011 fand hier ganz unaufgeregt eines der ambitioniertesten und teuersten Minenräumprojekte weltweit statt. Die Halbinsel im Süden Jütlands wurde umgegraben, ist heute komplett von Minen geräumt und ein frei zugängliches Naturreservat an der Nordsee. Die roten Warnschilder „Achtung Minen!“ sind für immer verschwunden. Vom Budget, das damals übrig blieb, konnten 2013 erstmals Bunker entfernt werden.

Museumsbunker Tirpitz
Museumsbunker Tirpitz

Anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung Dänemarks verwandelte der englische Künstler Bill Woodrow am Strand von Blåvand einige Bunker zu Maultierskulpturen,Er montierte große Metall Maultierköpfe und Schwänze auf vier der am Strand liegenden Bunker. Diese Skulpturen werden oftmals mit stilisierten Pferden verwechselt. Der Künstler hat aber bewusst Maultiere dargestellt. Die Blickrichtung aufs offene Meer symbolisiert den Abzug des Unheils, welches der Krieg über die Menschen in Dänemark gebracht hat. Wie passend ist da der Name "Riding into the sea". Besonders bei Hochwasser sind die Skulpturen ein äußerst beliebtes Fotomotiv. Maultiere gelten als besonders leistungsfähig und trittsicher. Allerdings sind sie unfruchtbar und können sich nicht vermehren. Somit stehen sie am Strand von Blåvand als Mahnmal für den Wunsch, dass auch die Bunker sich niemals vermehren mögen!

Maultierbunker am Strand von Blåvand
Maultierbunker am Strand von Blåvand

Die interessantesten Motive fand ich in Vigsø nahe Hanstholm, hier liegen über 20 Bunker größtenteils im Wasser.

 

„Die Olsenbande fährt nach Jütland“ wurde unter anderem hier im Sommer 1971 innerhalb einiger Monate gedreht. Obwohl das mittlerweile lange her ist, spricht der Film noch immer die Fantasie der Menschen an. Besucher des Bunkermuseums bei Hanstholm erkundigen sich häufig nach dem „Olsenbande-Bunker“.

 

Dieser Bunker bildete im Film den Eingang zum Bunkerkomplex „246/312-3“. Aufgrund des Küstenschwunds durch die Nordsee liegt der Bunker heute 30 m weiter im Meer als 1971, und die Tür, durch die die Olsenbande eintrat, befindet sich heute unterhalb der Wasseroberfläche.

Ich hoffe dieser Beitrag war interessant für euch. Falls ihr mehr zum Atlantikwall erfahren möchtet, schaut gerne in meine ausführlichen Reiseberichte "Normandie" und "Bretagne".

Die Bilder sind während unseres Urlaubes in Dänemark entstanden, zu diesem folgt vielleicht ein seperater Urlaubsbericht. Dänemark ist sehr teuer, wir fanden ein bezahlbares Ferienhaus und versuchten durch Selbstversorgung die Kosten niedrig zu halten. Günstige Unterkünfte findest du evtl. auch hier:

Booking.com

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