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Tskaltubo

Weltenbummler, Blogger und Reisefotograf mit einer Vorliebe für verborgene Orte, das bin ich. Heiko. Auf meiner Seite berichte ich dir von den verrücktesten Reisezielen der Welt: mit viel Liebe zum Detail, inspirierend, authentisch und vor allem: immer ehrlich!

Ich biete dir jedoch auch praktische Fototipps, hierfür habe ich die Coburger Fotoschule gegründet. Erfahre mehr über mich!


 Was passiert, wenn eine Weltmacht geht?

 

In der georgischen Kurstadt Tskaltubo sieht man sie noch sehr gut. Die architektonischen Hinterlassenschaften der Sowjetunion.

 

Die kleine Stadt hat es zu großer Bekanntheit gebracht, Grund hierfür waren die leicht radioaktiven Thermalquellen deren Wasser gegen Rheumatismus und andere Gelenkerkrankungen wirken sollen.  Als Tskaltubo 1934 ans Bahnnetz angeschlossen wurde, begann die Blütezeit des Kurortes nahe Kutaissi.

 

Ca. 100.000 Kurgäste suchten jährlich die Stadt zum Ende der Sowjetunion auf, diese wartete mit sechszehn Sanatorien und zahlreichen Hotels auf. Selbst Stalin war hier oft gesehen.

 

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, brachen auch die Besucherzahlen dramatisch ein. Kurz darauf, 1992, herrschte der Abchasienkonflikt. 250.000 Vertriebene suchten Schutz. Zehntausend Flüchtlinge wurden in den leerstehenden Sanatorien und Hotels von Tskaltubo untergebracht, wo sie zu großen Teilen noch heute leben.

 

Ja richtig. Ich zeige keine Bilder aus "herkömmlichen" Lost Places. Die Gebäude sind noch immer bewohnt.  Kurparks verwandelten sich in Gärten und Viehweiden, Bäume wurden gefällt, Tische, Stühle, Theken und Parkette der Speisesäle verwendet, um kochen und heizen zu können. Nach und nach verfielen auch die prächtigsten der Gebäude und Parkanlagen.

 

Sie leben in morschen Palästen. Ohne Aussicht auf Verbesserung.

 

Leider ganz im Gegenteil. Ein georgischer Milliardär möchte viele der maroden Gebäude zu Luxusresorts sanieren. An die vergessenen der Geschichte, wird dabei nicht gedacht.

Hotel Metalurgi - Tskaltubo
Hotel Metalurgi - Tskaltubo

Das Highlight des ehemaligen Hotels Metalurgi  ist das Foyer mit seinem riesigen Kronleuchter. Nach fast 30 Jahren ohne nennenswerte Wartung befindet es sich das Hotel in einem guten Zustand. "Gut" bezugnehmend auf die anderen Orte welche ich in Tskaltubo noch besuchen werde. Die Hausgemeinschaft scheint sich gut um das Gebäude zu kümmern in welchen sie ihr neues Zuhause gefunden haben. Meine Aufnahmen musste ich öfters unterbrechen da Kinder mit mir spielen wollten, Einwohner sich für mich interessierten, oder ein herrenloser Hund einfach nicht von mir wich. Gebäude wie dieses zu Fotografieren ist menschlich anspruchsvoller als technisch. Ich interessiere mich für die Geschichte des Ortes und die außergewöhnliche Architektur. Jedoch aber auch für die Menschen, ihre Vergangenheit und ihre Wünsche an die Zukunft. Das wichtige ist, es die Menschen spüren zu lassen, in guter Absicht hier zu sein. Niemanden von uns würde es gefallen im Internet als "arme Sau" vorgeführt zu werden. Respekt war das Schlüsselwort für meine Reise durch die alte Kurstadt, welcher auch durchgehend erwidert wurde. Benutzt einfach ein "sheidzleba me" (darf ich?), "gtkhovt" (bitte) und ein "diddi madloba" (vielen Dank). Es sind Menschen wie du und ich, nur hatten sie weniger Glück im Leben.

Sanatorium Iveria - Tskaltubo
Sanatorium Iveria - Tskaltubo

 

Das Iveria Sanatorium stellt eine Klasse für sich.

 

Es wurde 2017 an einen Investor verkauft, geschehen ist seitdem jedoch nichts.

 

Ob bis zum Verkauf hier Flüchtlinge lebten, konnte ich nicht feststellen. Bei meinem Besuch Mitte 2019 stand es leer.

 

Das Foyer ist der absolute Hammer, das dazugehörige Treppenhaus ist einzigartig. Endlose Gänge gibt es zu entdecken, jedoch auch ein weiteres Schmuckstück: Den alten Festsaal.

 

An dem zentralen Bild des Foyers habe ich mir die Zähne ausgebissen. Beim Bau des Sanatoriums hatte das Metermaß definitiv keine wichtige Rolle gespielt. Ein zentrales, symmetrisches Bild, ist hier nicht möglich zu erstellen.

Wie ein gelandetes UFO liegt das Badehaus Nummer 8 mitten im Stadtpark. Auch seine Innenarchitektur ist äußerst futuristisch gehalten. Hier wurde nicht aktiv gebadet, sondern vielmehr gewässert. Im nachhinein bin ich sehr traurig darüber keine Außenaufnahme des Gebäudes erstellt zu haben, aber vielleicht komme ich ja wieder, wer weiß.

Bathhouse Number 8 - Tskaltubo
Bathhouse Number 8 - Tskaltubo
Hotel Sakartvelo - Tskaltubo
Hotel Sakartvelo - Tskaltubo

Ich kannte schon Aufnahmen aus dem Hotel Sakartvelo.

 

Daher war ich stark verwundert als ich auf Bewohner des Gebäudes traf. Ich hätte es nicht denken mögen das auch dieses Haus noch unter Benutzung steht.

 Zu guten 70 % ist das alte Bauwerk noch bewohnt.

 

Ich fand meine Motive im alten Schwimmbad. Hier gab es schöne Mosaikarbeiten und eine interessante ZickZack Treppe.

 

Zwar nur maroder Beton, aber halt schöner maroder Beton.

 

Und auch ein Ort, an welchem man versteht warum viele "alte" die Sowjetunion vermissen.

Hotel Medea - Tskaltubo
Hotel Medea - Tskaltubo

 

Das Hotel Medea schmückte sicherlich viele Postkarten Tskaltubos.

 

Für mich war es das schönste der besuchten Gebäude. Die Marmorsäulen sind einzigartig und ein dankbares Fotomotiv.

 

Auch hier gibt es eine verfallene, und eine bewohnte Seite.

 

Ein Bewohner interessierte sich für mich, es war zur Zeit des georgischen Osterfestes. So wurde ich kurzerhand zu gekochten Eiern und selbstgemachten Wein eingeladen. Der Wein schmeckte fürchterlich, stark nach Essig. Ich war tapfer und trank mein Glas leer, hatte es jedoch direkt wieder aufgefüllt bekommen.

 

Gott sei Dank hatte ich nach dieser Begegnung dennoch den zentralen Blick zwischen die Säulen gefunden. Das Motiv war mir schon bekannt bevor ich die Reise antrat, und war für mich eine der ausschlaggebenden Gründe sie überhaupt auf mich zu nehmen. Trotz 14mm Ultraweitwinkel hätte ich gerne noch ein wenig mehr drauf bekommen. Jetzt wo ich diese Zeilen schreibe besitze ich ein 10mm Ultra(ultra)weitwinkel, sowie ein Weitwinkliges Tilt-Shift Objektiv. Es juckt in den Fingern mal eben einen Flug zu buchen.

Bathhouse Number 5
Bathhouse Number 5

 

Unbewohnt und ungenutzt ist das Badehaus Nummer 5.

 

Im Gegenteil zum Badehaus Nummer 8 gab es hier zwei kleinere Gemeinschaftsbecken, sicherlich jeweils für Männer und Frauen getrennt.

 

Die Becken lagen je unter einer großen Kuppel, welche starke Verwitterungsschäden aufwies.

 

Sozusagen eine grüne Lagune.

 

Ich beließ es bei der einen Aufnahme, bevor ich hier noch eine grüne Lunge bekommen würde.

Man denkt man währe irgendwo tief im Dschungel wenn man im Hof des alten Hotel Tbilisi steht. Die Palmen und der Wildwuchs, hinzukommend die grüne Fassade, kurzum: Zwar nur ein Hinterhof, aber was für einer!

 

Das ehemalige Hotel selbst ist voller leben. Die Einwohner saßen vor dem Gebäude, tranken reichlich Alkohol und spielten Karten (Es war Wochenende, das muss dazu gesagt werden).

 

Auch hier ließ das Angebot "eins zu trinken" nicht lange auch sich warten. Ich dachte schnell an den selbstgemachten Wein der mir im Hotel Medea gereicht wurde. Ohne die Gastfreundschaft zu beleidigen konnte ich mich aus der Situation schnell herausreden.

Hotel Imereti - Tksaltubo
Hotel Imereti - Tksaltubo

 

Zu guter letzt darf ich das Sanatorium Imereti zeigen. Hier hätte ich noch viel mehr Zeit verbringen sollen.

 

Mit seinen Treppenhäusern, dem Ballsaal und dem großen Kuppelsaal birgt es eine Vielzahl von tollen Motiven die es zu entdecken gab.

 

Jedes für sich Anspruchsvoll, doch war der Kuppelsaal am schwierigsten.

 

Zum Gebäude gehört ein sehr großes Grundstück, hier grasen nun Kühe und es wird Kleinvieh gehalten.

 

Die Bewohner legten sich kleine Gärten an und ziehen sich Obst und Gemüse. Ein idyllischer Ort, wäre die dahinterstehende Geschichte nicht so bewegend und traurig.

Sicherheit:

Ich habe mich zu keiner Zeit unsicher Gefühlt. Auch wenn ich in der Regel niemand bin der offen auf andere zugeht, habe ich dies in Georgien explizit gemacht. An den Reaktionen sieht man sofort was das gegenüber von dir hält, und daraufhin verhaltest du dich entsprechend. Beim Großteil der Gebäude besucht ihr keine Lost Places sondern Wohnhäuser. Verhaltet euch entsprechend und ich bin mir sicher das ihr mit ähnlich tollen Erinnerungen nach Hause kehrt wie ich.

 

Vergesst aber, gerade als Fotograf, nie was ihr für einen (Material)Wert mit euch herumtragt. Haltet die Augen offen, meist sind brenzlige Situationen frühzeitig erkenn- und vermeidbar.

Anreise:

Der nächste Flughafen liegt nur 16km entfernt, in Kutaissi. Die ungarische Airline WIZZ Air fliegt diesen Flughafen zu äußerst günstigen Kondition an. Verbindungen von und nach Deutschland sind derzeit: Berlin-Schönefeld / Dortmund / Frankfurt-Hahn / Hamburg / Karlsruhe / Köln / Memmingen / Nürnberg. Hier kann man sich einen Leihwagen nehmen, oder per Taxi für ca. 5 Euro nach Tskaltubo reisen. Die Taxiapp "Uber" ist in Georgien stark verbreitet.

Hotels:

Das beste Hotel der Stadt ist definitv das Tskaltubo Spa Resort, ebenfalls zu empfehlen ist das Hotel Prometheus oder das Plaza Hotel. Desweiteren sind unzählige Appartments und günstige Pensionen zu finden.

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